Fünfzehn Millionen Unikate

Brot und HandwerkAusgabe 01 / 2019

Kathi Alzner beim Brezelschlingen

„Brezelschlingen ist wie Fahrradfahren – das verlernt man nie!“ Kathi Alzner

Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Kathi Alzner, die seit 1995 Tag für Tag beim Maurer Brezeln schlingt – und zwar jede einzelne von Hand!

Tobias Maurer: Hallo Frau Alzner! Schön, dass wir uns mal außerhalb der Backstube begegnen.

Kathi Alzner: Ja, Herr Maurer, das freut mich auch. Sonst sehen wir uns ja nur in aller Früh am Brezeltisch.

Tobias Maurer: Ich habe Sie eingeladen, weil Sie zu den ganz treuen Seelen im Maurer-Team gehören. Sagen Sie mal, wie lange schlingen Sie bei uns schon Brezeln von Hand?

Kathi Alzner: Seit 1995. Also seit 24 Jahren.

Tobias Maurer: Und was hat sich seitdem geändert? Ich meine natürlich die positiven Dinge (lacht).

Interview Kathi Alzner

Tobias Maurer und Kathi Alzner

Kathi Alzner: Auf jeden Fall mal die Menge an Brezeln: Damals haben wir für 14 Filialen geschlungen, heute für 43. Und die Brezeln sind etwas größer geworden. Auf dem Blech waren damals 25 Brezeln mit 80 Gramm, heute sind es nur noch 20 mit 95 Gramm.

Tobias Maurer: Und sonst?

Kathi Alzner: Über die Jahre wurde die Teigvorbereitung immer besser. So konnten wir die Produktivität deutlich steigern – bei leichterer Arbeit. Was immer gleich geblieben ist, ist die Handarbeit.

Tobias Maurer: Sie schlingen zu dritt jede Stunde 2.400 Brezeln …

Kathi Alzner: … 2.568, Herr Maurer (lächelt) …

Tobias Maurer: (lacht) … Ich habe mal nachgerechnet. Seit Sie bei uns sind, haben Sie rund 15 Mio. Brezeln geschlungen. Unglaublich! Können Sie Brezeln überhaupt noch sehen?

Kathi Alzner: Um ehrlich zu sein, sind Brezeln immer noch mein Lieblingsgebäck. Jede von ihnen ist ein Unikat. Am liebsten mag ich sie, wenn sie nicht ganz so knackig, sondern noch etwas weich sind.

Mitarbeiter beim Brezelschlingen

Brezel schlingen

Tobias Maurer: Wird Ihnen das Schlingen denn nie langweilig?

Kathi Alzner: Ein ehemaliger Kollege, Jürgen Knorr, hat einmal gesagt: „Brezelschlingen ist eine Arbeit für Denker.“

Tobias Maurer: Wie hat er das gemeint?

Kathi Alzner: Na ja. Während man schlingt, hat man ganz viel Zeit zum Nachdenken.

Tobias Maurer: Fällt es Ihnen nicht schwer, sich über mehrere Stunden hinweg immer auf dieselbe Handbewegung zu konzentrieren?

Mitarbeiter in der Maurer Backstube beim Brezel schlingen

Unser Brezel-Team

Kathi Alzner: Nein, das geht inzwischen wie von selbst. Brezelschlingen ist wie Fahrradfahren – das verlernt man nie!

Tobias Maurer: Sind Sie ein Einzelfall? Oder sehen das Ihre Kollegen ähnlich?

Kathi Alzner: Wir sind seit vielen Jahren ein eingeschworener Haufen. In unserem Team gibt es so gut wie keine Fluktuation.

Tobias Maurer: Schön zu hören. Liebe Frau Alzner, ich danke Ihnen ganz herzlich für das Gespräch.

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