Zum neunten Ofengespräch hat Tobias Maurer den Kopfrechenkünstler, Mentaltrainer, Fitnesscoach und Autor Rüdiger Gamm auf seine Ofenbank eingeladen. Er wurde durch Fernsehauftritte bei Wetten, dass..?, Das Supertalent und anderen TV-Sendungen berühmt, mit seiner außergewöhnlichen Fähigkeit, komplizierte Rechenaufgaben in Sekundenschnelle im Kopf zu lösen.
Doch Rüdiger Gamm ist mehr als das: Er ist ein Mensch, der viel über Talent, Disziplin und das richtige Timing im Leben zu sagen hat. Ein Gespräch über Begabung, Glaube, Motivation und darüber, warum manchmal der Zufall der beste Plan ist.
Tobias: Willkommen, Rüdiger. Schön, dass du da bist. Wir kennen uns schon lange vom gemeinsamen Radeln bei der Tour Ginkgo zum Spenden sammeln für schwerkranke Kinder. Die meisten anderen kennen dich aber vor allem durch das Potenzrechnen und deine Auftritte im Fernsehen wie bei Wetten, dass..?, Das Supertalent und viele andere. Was mir bei der Vorbereitung besonders aufgefallen ist und was viele nicht wissen: Du kannst ja auch rückwärts sprechen. Wie kommt man denn bitte darauf?
Rüdiger: (lacht) Jetzt sind wir ja schon mitten im Interview. Das ist, wenn man es genau nimmt, meine Muttersprache. Mein Vater hatte die gleiche Fähigkeit, und wahrscheinlich habe ich sie einfach geerbt.
Ich habe als Kind zuerst rückwärts gesprochen. Vorwärts sprechen war also meine erste Fremdsprache.
Tobias: Also war dein erstes Wort nicht Mama oder Papa, sondern amaM und apaP?
Rüdiger: So ungefähr, ja. Ich spreche die einzelnen Wörter rückwärts, nicht den ganzen Satz. Denn am Anfang vom Satz weiß ich ja noch nicht, wie der Satz aufhört. Wenn ich zum Beispiel „Das Wetter ist schön“ sage, dann sage ich „saD retteW tsi nösch“ und nicht „nösch tsi retteW saD“. Mit vier Jahren habe ich meinen ersten Comic geschenkt bekommen und mit dem habe ich dann auch gelernt vorwärts zu sprechen.
Tobias: Und mit vier konntest du die Hefte auch schon lesen?
Rüdiger: Ja, das ging bei mir relativ schnell. Auch mein Zahlengedächtnis war schon immer sehr ausgeprägt. Ich habe mit zwei Jahren schon gewusst, dass Kolumbus 1492 Amerika entdeckt hat. Aber in der Schule war das dann irgendwann weg. Da hat es mich ehrlich gesagt nicht mehr besonders interessiert.
Tobias: Richtig, das hast du erzählt. Da waren wir vermutlich vergleichbar.
Rüdiger: (lacht) Ja, das war mehr als vergleichbar. Ich bin sogar wegen Mathematik sitzen geblieben. Die beste Note, die ich in meiner ganzen Schullaufbahn in Mathe geschrieben habe, war eine 3+. Sonst nur Vieren und Fünfen. Einmal musste ich sogar darum kämpfen, keine 6 zu bekommen.
Tobias: Das war bei mir Chemie. Das ist natürlich eine schöne Hoffnungsgeschichte für alle, die in Mathe kämpfen. Wenn sogar ein Kopfrechenweltmeister in Mathe durchfällt.
Rüdiger: (lacht) Ja, ich habe da eine Theorie: Unabhängig von Talent oder Begabung gibt es im Leben sogenannte Lernfenster*. Wenn das Lernfenster nicht offen ist, bringt alles Lernen nichts. Du kannst dich noch so anstrengen, wenn dein Kopf nicht aufnahmebereit ist, bleibt nichts hängen. Man muss erkennen, wann das Lernfenster offen ist und es dann auch nutzen. Bei mir war das erst mit 21 oder 22 der Fall.
*Lernfenster
Die Theorie der Lernfenster (oder sensible Phasen) ist ein etabliertes Konzept aus der Entwicklungspsychologie und den Neurowissenschaften. Sie beschreibt Zeitfenster, in denen das Gehirn besonders aufnahmefähig für spezifische Inhalte ist. Diese Idee ist nicht neu: Bereits die Pädagogin Maria Montessori wies im frühen 20. Jahrhundert auf sensible Phasen bei Kindern hin. In den 1960er Jahren untermauerte der Neuropsychologe Eric Lenneberg das Konzept im Hinblick auf den Spracherwerb.
Tobias: Und woran erkennt man, dass so ein Lernfenster offen ist?
Rüdiger: Wenn’s ins Hirn reinzieht, ist es offen. (lacht) Nein, im Ernst: Es ist meistens Zufall. Bei mir war es so: Zwei Wochen nachdem ich mit der Schule fertig war, bekam ich ein Buch geschenkt, in dem es um Quadratzahlen und andere Zahlenspiele ging. Ich hatte ja Zeit. Bis zum Start meiner Ausbildung als Versicherungskaufmann waren es noch fünf Monate. Also habe ich mich einfach mal damit beschäftigt und wurde immer besser darin. Ich habe nicht gedacht, dass das etwas Besonderes ist. Zwei Monate später, wieder Zufall, hörte ich dann im Radio einen Rechenmeister, der das schon seit 30 Jahren machte. Da habe ich mir gedacht: Der macht das 30 Jahre, ich zwei Monate und ich bin fast so gut. Das war der Moment, in dem ich gemerkt habe, dass ich hier wohl ein Talent habe.
Tobias: Und ab da hast du angefangen, gezielt zu trainieren?
Rüdiger: Genau. Ich habe gesagt: Jetzt trainiere ich mein Gehirn. Ich war vorher im Bodybuilding aktiv und wusste, dass Training funktioniert. Also habe ich mein Gehirn trainiert, wie andere ihre Muskeln. Ich habe zudem fünfmal versucht, zu Wetten, dass..? zu kommen. Jedes Mal wurde ich abgelehnt. Nach dem fünften Mal habe ich aufgegeben. Und dann kam, wieder mal, der Zufall.
Tobias: Was ist passiert?
Rüdiger: Ich war im Fitnessstudio, habe trainiert und nebenbei gerechnet. Neben mir war jemand, der zufällig auf Durchreise war und mit einer Tageskarte trainiert hat. Er sah mich rechnen und fragte, was ich da mache. Ich erklärte es ihm, und er meinte begeistert: „Geil, du gehst zu Wetten, dass..?“ Ich sagte: „Würde ich ja gern, aber ich komme da nicht rein.“ Dann sagte er: „Kein Problem, mein bester Freund ist Unterhaltungschef beim ZDF.“ Ich dachte, er übertreibt. Zwei Wochen später klingelt bei mir das Telefon und das ZDF war dran. Ohne diesen Zufall wäre ich nie bei Wetten, dass..? gelandet.
Tobias: Es ist wichtig, dass sich solche Chancen ergeben. Und vor allem, dass man solche Chancen dann auch erkennt. Aber Zufall alleine reicht ja nicht aus, um bei Wetten, dass..? angenommen zu werden und auch noch zu gewinnen. Du trainierst täglich mit einer unfassbaren Disziplin, auch wenn die Motivation mal nicht da ist. Wie machst du das?
Rüdiger: Natürlich. Man muss auch vorbereitet sein, wenn der Zufall kommt. Training und Disziplin gehören also genauso dazu. Ich habe insgesamt fünf Monate auf Wetten, dass..? trainiert, einmal sogar bis zu 17 Stunden am Stück. Das war extrem stupide. Ich bin die Potenzen immer und immer wieder durch gegangen. Das war keine Motivation, sondern reine Disziplin und auch ein bisschen Angst. Aber als ich dann in der Sendung stand und tatsächlich gewonnen habe, war das ein unbeschreibliches Gefühl. Das war dann echte Motivation.
Tobias: Also kommt Motivation durch Erfolg und nicht andersherum?
Rüdiger: Ganz genau. Ich stelle Disziplin über Motivation. Wenn ich Erfolge sehe, kommt die Motivation automatisch. Wenn ich dann motiviert und diszipliniert bin, dann läuft’s fast von selbst. Das ist ein Kreislauf. Wenn du aufhörst, nur auf Motivation zu warten, sondern anfängst, diszipliniert zu handeln, kommt der Rest von allein.
Tobias: Du hast ja auch dein Gehirn untersuchen lassen. Was kam dabei heraus.
Rüdiger: Ich habe tatsächlich ein etwas anders gebautes Gehirn. Mein Corpus callosum*, also der Verbindungsbalken zwischen linker und rechter Gehirnhälfte, ist verdichtet. Das bedeutet, dass die Informationsübertragung schneller abläuft. Außerdem nutze ich bestimmte Areale, die andere kaum aktivieren. Und dann habe ich noch eine kleine genetische Mutation, das Gen ARHGAP11B*, das die Entwicklung des menschlichen Frontallappens beeinflusst, ist bei mir stärker ausgeprägt. Dadurch habe ich feinere neuronale Verbindungen und mehr Kapazität im Frontallappen. Das alles zusammen führt wohl dazu, dass mein Gehirn Informationen anders verarbeitet.
*Corpus callosum & Gen ARHGAP11B
Das Corpus callosum ist die größte Nervenfaserbahn, die die linke und rechte Großhirnhälfte verbindet, um den schnellen Informationsaustausch zu gewährleisten. Das Gen ARHGAP11B ist an der Entwicklung des Frontallappens beteiligt, der für komplexe kognitive Funktionen wie Planung und Problemlösung zuständig ist. Eine stärkere Ausprägung des Gens kann die neuronale Kapazität erhöhen.
Tobias: Wie genau hat man das untersucht?
Rüdiger: Durch ein MRT und eine Genuntersuchung in Kanada.
Tobias: Sehr spannend. Und all das führt zu diesem unglaublichen Talent. Damit hast du es ja auch als erster Europäer überhaupt geschafft in einem Rechenwettbewerb gegen einen asiatischen Rechenmeister* zu gewinnen. Wie war das?
*Asiatische Rechenmeister
Asiatische Rechenmeister gehören zu den weltweit schnellsten Kopfrechnern. Sie nutzen den Abakus (Zählrahmen) und bewegen dessen Perlen mit extrem hoher Geschwindigkeit. Durch jahrelanges, intensives Training entwickeln sie die Technik des “Mentalen Abakus” oder Anzan: Sie visualisieren den Rahmen im Kopf, was ihre Rechenleistung nochmals drastisch steigert. In Ländern wie Japan und China werden regelmäßig große Rechenmeisterschaften veranstaltet, bei denen die Spitzenrechner als Stars gefeiert werden. Ihre erstaunliche Fähigkeit demonstriert eindrucksvoll, welch außergewöhnliche Leistungen das menschliche Gehirn durch extreme Übung erreichen kann.
Rüdiger: Spannend. Beim ersten Mal, 2003, war der Wettbewerb zweigeteilt. Den ersten Teil, wo reine Automatismen gefragt waren, habe ich zwar verloren. Aber im zweiten Teil, der mehr Aufgaben umfasste und wo Kreativität gefragt war, habe ich gewonnen und mir somit den Gesamtsieg gesichert. Man darf die Asiaten nicht überschätzen. Sie sind technisch perfekt, aber oft fehlt ihnen das kreative Denken. Ich nenne sie Rechenautomaten.
Tobias: Ich kenne das aus der Musik. Ich habe früher Posaune gespielt. Asiaten waren technisch brillant, aber manchmal fehlte das Gefühl.
Rüdiger: Genau. Also Tipp an alle Leser, die mal gegen einen Asiaten im Kopfrechnen antreten wollen: Wenn man gegen sie gewinnen will, einfach die Parameter ein bisschen verändern. Eine kleine Multiplikation oder noch besser eine Winkelfunktion einbauen, dann laufen sie ins Leere. (lacht)
Tobias: Super Tipp, merke ich mir fürs nächste Mal (lacht). Wobei, im Kopfrechnen wäre ich dann doch nicht so stark. Daher vielleicht nochmal zurück zu deiner Schulzeit. Mathe hat dich also nicht so interessiert. Gab es etwas anderes, das dich begeistert hat?
Rüdiger: Ja. Mich fasziniert die Unendlichkeit des Universums. Nur, dass man mal eine Vorstellung bekommt, wie groß das ist. Ihr wisst ja ungefähr, wie groß unsere Erde ist. Wenn man die Erde 109-mal aneinanderreihen würde, bekommt man ungefähr den Durchmesser unserer Sonne. Und wenn man sich dann vorstellt, dass allein in unserer popeligen Heimatgalaxie 30 bis 40 mal mehr Sonnen als Menschen auf unserer Erde gibt, bekommt man ein Gefühl davon, wie unendlich groß das Universum ist. Das sind die Dinge, die mich schon als Kind fasziniert haben.
Tobias: Beeindruckend, über was du dir als junger Mensch schon Gedanken gemacht hast. Gab es in deiner Jugend oder auch in deinem späteren Leben Momente, in denen du mit deinem Talent auch angeeckt bist?
Rüdiger: Oh ja. Ich war mal in einer Discovery Channel-Doku zu sehen. Da wurde gezeigt, wie ich rückwärts spreche und plötzlich dachten viele, ich sei der Antichrist. Meine Frau wurde von einem Nachbarn gewarnt. Ich habe schon darauf gewartet, dass irgendwann mal jemand mit einer Fackel vor der Tür steht. (lacht)
Tobias: Den Fackellauf hast du ja dann selbst gemacht, für deinen Weltrekord.
Rüdiger: (lacht) Stimmt. Das war mein zweiter Weltrekord. Ich wurde mit einer speziellen Salbe eingeschmiert, angezündet und hatte eine Minute Zeit, so viele Aufgaben wie möglich zu rechnen. Nach einer Minute wurde es heiß, aber es hat funktioniert. Das war eine tolle Aktion.
Tobias: Und was war dein erster Weltrekord?
Rüdiger: Mein erster Weltrekord war im Fernsehgarten – Apnoe-Rechnen*. Unter Wasser die Luft anhalten und rechnen.
*Apnoe-Rechnen
Apnoe-Rechnen ist die extreme Disziplin, die Tauchen ohne Atemgerät mit komplexem Kopfrechnen verbindet. Beim Tieftauchen schrumpft das Lungenvolumen massiv, was Stress auslöst. Das Gehirn muss nun komplizierte Aufgaben lösen, während der Körper in den Sauerstoff-Sparmodus wechselt. Diese Leistung demonstriert die Fähigkeit, maximale mentale Klarheit unter extremem Stress zu bewahren.
Tobias: Also immer eine Kombination aus Körper und Geist. Du scheinst Extremsituationen zu mögen.
Rüdiger: Total. Im Alltag bin ich oft unentspannt, aber wenn es drauf ankommt, kann ich mich perfekt konzentrieren. Dann funktioniert mein Gehirn auf Knopfdruck.
Tobias: Dann sind so Wettbewerbe ja perfekt für dich. Hast du Lieblingsdisziplinen, die dir besonders liegen oder Spaß machen?
Rüdiger: Da gibt es ein paar. Potenzen natürlich, dadurch bin ich auch bekannt geworden. Dann Winkelfunktionen, Logarithmen, Teilen durch Primzahlen, Wochentagrechnen*.
Tobias: Wochentagsrechnen. Mein Opa ist ja an einem ganz besonderen Datum geboren. Am 1.1.1900.
Rüdiger: Montag.
Tobias: Ich war noch nicht mal mit dem Satz fertig und du wusstest den Wochentag schon. Wie funktioniert das?
Rüdiger: Das Wochentagsrechnen ist im Kern eine simple Addition, aber die Vorarbeit ist das Entscheidende. Man braucht zwei Hauptkomponenten. Erstens: Die Zuordnungstabelle der Wochentage. Das ist mein Spickzettel für das Endergebnis. Meine Rechnung landet immer bei einer Zahl zwischen 1 und 37 und diese Zahl sagt mir eindeutig: ‘Das ist ein Montag,’ oder ‘Das ist ein Samstag.’ Die zweite und wichtigere Komponente ist die Monats-Jahres-Wert-Tabelle. Diese Zahlen habe ich alle im Kopf. Jedes Jahr, jeder Monat hat einen festen Wert. Wenn du mich beispielsweise nach dem 22. März 1969 fragst, rechne ich wie folgt: Ich nehme den Monatstag, die 22, und addiere dazu den Monats-Jahres-Wert für März im Jahr 1969, welcher die 6 ist. 22 plus 6 ergibt 28. Dann schaue ich in meinem Kopf nach, welche Zahl zur 28 gehört: das ist der Samstag.
Tobias: Das leuchtet mir ein. Wenn ich also jetzt rausfinden will, wann die Bäckerei Maurer gegründet wurde, am 1. Juli 1931…
Rüdiger: Mittwoch.
Tobias: Genau, Mittwoch. Unfassbar schnell bist du. In dem Zuge fällt mir ein: Hast du eigentlich unsere Chronik schon? Die beginnt nicht, wie man meinen würde, mit dem 1. Juli 1931. Sondern mit der Geburt meines Großvaters am 1.1.1900. Und beleuchtet neben seinem Werdegang und der Entwicklung der Bäckerei Maurer auch das Geschehen in unserer Region und in der Welt. Anfang 1900 war zum Beispiel die Weltausstellung in Paris. Aber das muss ich dir ja nicht erzählen, das weißt du sicher schon.
Rüdiger: Ach, alle Weltausstellungen kenne ich nun auch wieder nicht.
Tobias: Ganz spannend war auch die Kriegszeit. Es gab auch kritische Situationen: 2008 haben wir hier in der Backstube einen Brand gehabt. Konnten 4 Monate nicht backen. Alle diese Geschichten und Schicksale haben wir in der Chronik festgehalten. Die Chronik schenke ich dir, du kannst gerne die Daten nochmal kontrollieren, ob das auch alles stimmt.
Rüdiger: (lacht) Ich bin mir sicher, sie stimmt. Aber ich schaue sie mir gerne an.
Tobias: Und künftig kann ich dann auch die Wochentage bestimmen. Das kann man ja trainieren. Aber wie ist es mit den anderen Rechenaufgaben, die du machst. Kann das jeder?
Rüdiger: Ja, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Jeder kann sich verbessern, aber nicht jeder kann in allem Weltmeister werden. Es hängt von der eigenen Veranlagung ab. Ein 1,55 Meter großer Mensch kann vielleicht ein großartiger Gewichtheber werden, aber kein Stabhochspringer. Wichtig ist, dass man erkennt, worin man wirklich gut ist und das konsequent trainiert.
Tobias: Ich habe gelesen, dass dein IQ bei über 200 liegt?
Rüdiger: Ja, das wurde über drei Stunden gemessen. Aber solche Tests sind nur Momentaufnahmen. Sie hängen auch von der Tagesform, Konzentration und Motivation ab. Mir ist wichtiger, was ich aus meinen Fähigkeiten mache. Weil die Frage ist ja, ob man nun wirklich intelligent ist oder einfach nur gut im Lösen von Intelligenztests.
Tobias: Was bedeutet für dich Intelligenz?
Rüdiger: Intelligenz ist für mich die Fähigkeit zur Anpassung. Es gibt zum Beispiel das Savant-Syndrom. Das leitet sich aus dem im 19. Jahrhundert geprägten Begriff „Idiot Savant“, also schwachsinniger Wissender, ab. Diese Menschen haben unglaubliche Fähigkeiten. Aber nur auf einem bestimmten Gebiet. Sie können schwer noch andere Dinge trainieren oder sich an sich ändernde Rahmenbedingungen anpassen. Etwas, das mir zum Beispiel immer wichtig war.
Tobias: Stimmt, mittlerweile bist du ja auch auf TikTok sehr bekannt. Auch eine Anpassung an die heutige Zeit. Wie kam es dazu?
Rüdiger: Zufall, wie so oft. Ich dachte lange, das brauche ich nicht. Trotzdem habe ich einige Videos gemacht. Völlig unerwartet ging dann ein Video viral und plötzlich hatte ich Millionen Aufrufe. Heute erreiche ich Menschen, die sich sonst nie mit solchen Themen beschäftigen würden.
Tobias: Absolut. Ich erinnere mich daran wie das war, als wir dieses Jahr zusammen bei der Tour Ginkgo geradelt sind. Da warst du umringt von einer großen Anzahl von Schülern, die dich alle von TikTok kannten.
Rüdiger: Ja, ich habe damit gerechnet, dass ich von einzelnen erkannt werde. Dass es aber dann doch so viele waren, hat mich selbst überrascht.
Tobias: Zum Schluss würde ich aber wirklich gerne noch sehen, wie du rechnest. Die Bäckerei Maurer wurde wie gesagt 1931 gegründet. Können wir daraus was machen? 19 hoch 31 zum Beispiel?
Rüdiger: Ich kann Potenzen bis hoch 20. Alles darüber ist ohne Training schwierig. Wir könnten also 31 hoch 19 rechnen. Das sind 21 Quadrilliarden, 670 Quadrillionen, 662 Trilliarden, 219 Trillionen, 970 Billiarden, 396 Billionen, 194 Milliarden, 714 Millionen, 277 Tausend, 471.
Tobias: Wahnsinn. Vielen Dank für das spannende Gespräch, Rüdiger: über Zahlen, Disziplin, Glauben und Zufall. Ich glaube, die Leser werden danach das nächste Mal etwas genauer hinsehen, wenn sie ein Datum im Kalender sehen. Hast du noch ein Abschlusssatz für uns? Gerne in vorwärts und rückwärts?
Rüdiger: neleiV knaD rüf eid gnudalniE! sE raw nie sellot weivretnI dnu hci edrüw se tiezredej redeiw necham. Vielen Dank für die Einladung! Es war ein tolles Interview und ich würde es jederzeit wieder machen.
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