Pressemitteilung

Ein Blick ins Kornfeld

Der Grüne Landespolitiker Kretschmann besucht ein Beispiel für regionale Produktion.

Winnenden/Fellbach.  Der Markt für Bioprodukte wächst. Aber er ist global. Manche Bionuss im Supermarkt stammt aus Kalifornien oder der Türkei. „Wir brauchen eine Regionalisierung der Nahrungsmittelproduktion“, sagt Winfried Kretschmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag. Für Brot gibt’s diese Regionalisierung im Rems-Murr-Kreis, und Kretschmann hat die Beteiligten besucht.

Kretschmann, der Biologe und Politiker, ging auf den Acker, um die regionale Produktion nachzuvollziehen. In Feldern bei Schmiden schaute er nach Borretsch-Blüten am Ackerrand, beobachtete die Hummeln und Wildbienen, wie sie drin Honig saugten, und ließ sich die Bauern, den Müller und die Bäckersfamilie vorstellen, die ein Brot backen, das ganz und gar aus der nächsten Nähe stammt: das Landkornbrot der Bäckerei Maurer.

 

Geschäftsführer Tobias Maurer kennt die Felder bei Fellbach-Schmiden und die Bauern Harald Kaufmann und Wolfgang Bürkle. Die beiden stehen da und versprechen es dem Politiker, den Kreis-Grünen Daniel Mouratidis und Willi Halder und der Presse: Sie produzieren hier Weizen und Roggen ganz ohne Spritzmittel. Das lässt sich hören, aber es ist nicht vollkommen „Bio“ nach der EU-Verordnung. Die Bauern verwenden noch mineralischen Dünger und sie pflanzen im Feld nebenan Kartoffeln, die doch manchmal noch ein Spritzmittel gegen Blattkrankheiten brauchen. Aber: Das Getreide bleibt frei von Herbiziden, Fungiziden und anderen Giften. Den Boden pflegen sie mit einer Egge. Damit entfernen sie Unkraut. Schneckenprobleme haben sie nicht, weil sie die Erde vorm Einsäen mechanisch bearbeiten und gut trocknen lassen. Gegen allerhand Ungeziefer, angefangen bei der Blattlaus, haben sie einen blütenreichen Ackerrandstreifen angepflanzt, blau blühen der Boretsch und die Facelien. Drin leben Marienkäfer, Florfliegen und andere Nützlinge. Der Wind trägt eine Blattlaus heran, sie landet nicht im Weizen, sondern in den Blumen davor, vermehrt sich, lebt eine Weile gut, bis die Nützlinge sie vertilgen. „Das hilft viel“, sagt Landwirt Harald Kaufmann.

In ein paar Wochen werden die Landwirte ihr Korn ernten und dann nur fünf Kilometer weit fahren zur Hegnacher Mühle von Ulrich Stietz, der die beiden schon seit langem kennt und für die Landkorn-Produktion gewonnen hat. Stietz betreibt die einzige, die letzte Mühle an der Rems. Das Mehl fährt er nur zehn Kilometer weiter nach Winnenden in die Bäckerei Maurer, und die beliefert ihre Filialen in 20 Kilometer Umkreis. Extrem kurze Transportwege sind das, und eine überschaubare Produktion: Spaziergänger sehen täglich die Kornfelder und kennen die Bauern. Die Bauern kennen den Müller und den Bäcker, und der kennt viele seiner Kunden.

Für Kretschmann ist dies ein Beispiel für einen regionalen Wirtschaftskreislauf, wie er sich noch viele wünscht. „Die Regionalisierung bewirkt, dass man sich in der globalisierten Welt nicht unbehaust fühlt. Sie ist ein Gegenpol zur Globalisierung.“

 Quelle: Winnender Zeitung, 25.6.2010