Pressemitteilung

Wie viel Nahrung endet im Müll?

Weltweit werden Tonnen von Lebensmitteln verschwendet. Dagegen kann man auch im Kleinen etwas tun.
Von Brigitte Hess, Fellbach. 5.11.2011

In den 80er Jahren rechneten wir mit drei Prozent Retouren, heute kriegt man diese Zahl kaum mehr unter zehn Prozent", sagt Tobias Maurer. Die Winnender Bäckerei Maurer hat im Kreis 38 Filialen, eine in Fellbach. Der Verbraucher fordere heute zu jeder Uhrzeit beispielsweise frische Brezeln; ist etwas nicht jederzeit vorrätig, sei der Kunde schnell verärgert, sagt Maurer: "Ohne übrige Ware geht es nicht". Aber für ihn hat der Umgang mit Lebensmitteln auch eine ethische Seite. Ein Großteil der Reste werde deshalb an Tafelläden geliefert. Oder verarbeitet; Brot und süße Stückle dürfen getrocknet und gemahlen im Anteil von rund drei Prozent wieder verbacken werden, "und diese verkleisterte Stärke verbessert sogar die Qualität der Backwaren", sagt Tobias Maurer. Was dann noch übrig bleibt, wird von einem Schweinezuchtbetrieb abgeholt und verfüttert.

Thomas Klingler hält es für eine seiner wichtigsten Aufgaben, "ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie viel von welchen Fleisch- und Wurstsorten benötigt wird: "Es ist oft eine Gratwanderung, aber im Sommer stehe ich bei schönem Wetter eben eine Stunde früher auf und bereite die Grillspezialitäten tagesfrisch vor", sagt der Metzgermeister. Je nach Produkt täglich oder wöchentlich frisch zu produzieren sei einfacher, als riesige Selbstbedienungs-Theken mit folierter Ware zu füllen und überwachen zu müssen. "Man muss den Mut haben, dass mal etwas ausgeht", sagt Klingler. Seine Kunden hätten dafür Verständnis. Beim Partyservice legt er deshalb großen Wert auf Beratung: "Ein Büfett für Senioren muss von den Mengen her anders zusammengestellt sein, als eines für junge Sportler". Dass wirklich etwas in den Müll muss, komme in seiner Metzgerei dank perfekter Planung äußerst selten vor, sagt er.

Fritz Aupperle, Inhaber mehrerer Rewe-Supermärkte, setzt auf ein intelligentes zentrales Bestellsystem. Vor wenigen Tagen wurde sein Betrieb in der Stuttgarter Straße in Berlin vom Nabu als "nachhaltigster Supermarkt Deutschlands" ausgezeichnet. Einer der Gründe für die Auszeichnung sei eben dieses computergesteuerte Bestellsystem. "Der Computer erfasst den Abverkauf und bestellt automatisch erst nach, wenn die entsprechende Ware wirklich ausgeht", sagt Fritz Aupperle. Wenn doch einmal Ware kurz vor dem Ablauf der Mindesthaltbarkeit stünde, setze man zunächst für die Kundschaft den Preis herab. Etwa zwei Tage vor Ablauf des Datums gehe die Ware sowie überschüssiges Obst und Gemüse an den Tafelladen. Müll entstehe so fast gar nicht mehr: Nur noch 0,4 Prozent der Ware müsse abgeschrieben werden, freut sich Aupperle.

Eine Extrastellung nehmen Gastronomie und Hotel ein. "Top-Ware kaufen, nachhaltig wirtschaften und mit langjähriger Erfahrung die Wünsche der Gäste bestens kennen - dann kann man den Umschlag ziemlich genau einschätzen", sagt Rolf Schlegel vom Stettener Landgasthof Ochsen. Ein Langschläfer im Hotel hat denselben Anspruch an ein Frühstücksbüfett wie ein Frühaufsteher. Gerade bei Büfetts lasse sich Müll deshalb nicht vermeiden. "Der Gesetzgeber gibt hier eindeutige Regeln vor", sagt Marina Eigenbrodt vom Classic Congress Hotel in Fellbach. Das beginne mit Temperaturkontrollen beim Wareneingang über die Kontrolle ausgegebener Speisen bis zum regelmäßigen Austausch "kritischer Lebensmittel" auf dem Büfett und der Entsorgung von Resten im Müll.

Bei den Tafeln als letzten in der Kette im Lebensmittelhandel ist das Müllaufkommen allerdings relativ hoch. Dort kann nicht regelmäßig alles, was gespendet wird, an den Mann gebracht werden. Vor allem bei Obst und Gemüse spielt Zeit eine Rolle: Was nicht schnellstens verkauft wird, ist Abfall. Lange Lagerzeiten sind bei Frischware nicht mehr drin. Ein bisschen ärgert sich Carola Plötz sogar manchmal über Anlieferungen: "Manchmal ist zum Beispiel eine Palette Salat so vergammelt, dass man sie gleich fast komplett entsorgen muss". Die Fellbacher Tafel gibt ihre organischen Abfälle einem Bauern, der seine Biogasanlage damit betreibt.

Quelle: Fellbacher Zeitung,
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